Ausstellung über Johann Heinrich Ludwig Flögel: Diesen Ahrensburger sollten Sie kennenlernen!

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Ahrensburg (ve). Kennen Sie Herrn Flögel? Nein? Eigentlich aber ist er der Goethe Ahrensburgs.

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus: Im Treppenhaus des Rathauses findet sich diese Nachbildung des Arbeitszimmers. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus: Im Treppenhaus des Rathauses findet sich diese Nachbildung des Arbeitszimmers.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ein bisschen verschroben muss er gewesen sein, schlau und sehr neugierig. Johann Heinrich Ludwig Flögel war wohl ein auf Tradition bedachter Pedant, den es stets zu neuen Ufern trieb und der alles erfahren wollte. So etwa klingt es, wenn Bernd Reher vom Historischen Arbeitskreis über den Forscher, Beamten und Wissenschaftler spricht. Und Reher muss es wissen, er selber forscht seit 2008 über diesen Mann. Das Ergebnis dieser Forschung ist jetzt in einer Ausstellung im Rathaus zu sehen.

Ausstellung über Johann Heinrich Ludwig Flögel zum 100. Todestag des Gelehrten

Flögel ist vor 100 Jahren gestorben. Die letzten 26 Jahre seines Lebens hat er in Ahrensburg verbracht in seinem Haus in der Waldstraße. Sein Sohn lebte bis zu seinem Tode ebenfalls in dem Haus, das dann von der Familie Plage gekauft wurde.

Und genau damit begann die neue Geschichte des alten Herren. Denn Plages kamen in Kontakt mit dem Historischen Arbeitskreis und Bernd Reher – und alle zusammen begannen, das Leben des Forschers zu erforschen. Flögel war ein Universalgelehrter, der quasi vor keinem Fach Halt machte. Die Fotografien von Insektengehirnen und das erste Foto eines Schneekristalls haben bis heute nachhaltige Wirkung in der Wissenschaftsgeschichte. Und eben diese Fotos und noch so manches mehr war in alten Kartons beim Kauf des Hauses an die Plages übergegangen. Sie vermuteten einen gewissen Wert in den Kartons und so kamen die Gegenstände schließlich ins Stadtarchiv.

Lesen Sie dazu den Beitrag „Archivalien des Stadtarchives Ahrensburg: Repariert und zum Angucken!

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus: Bernd Reher führt in das Leben und die Forschungsarbeit von Flögel ein. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus: Bernd Reher führt in das Leben und die Forschungsarbeit von Flögel ein.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

„Es ist uns gelungen“, so Reher, „über die vergangenen Jahre alle Fakten und Unterlagen, die wir über Flögel haben, zusammen zu tragen.“ Entstanden ist das Bild eines eifrigen Gelehrten, der irgendwie auch ein bisschen eigen war. Er habe sich zum Beispiel zunächst massiv über Forschungsarbeiten an Insekten mokiert, so Rohder, „das interessiert doch keinen“, habe er abwertend gesagt – um dann umfangreiche Arbeiten mit dem Mikroskop anzufertigen. Flögel habe Spaß gehabt an mathematischen Spielereien und Experimenten und vielem mehr. Neugierig war er, doch die Ende des 19. Jahrhunderts eingeführte neue Rechtschreibung lehnte er mit einer gewissen Sturheit ab. Um sein Mikroskop bestmöglich nutzen zu können, baute er in seinem Wohnzimmer Schienen ein. In das Haus übrigens, das er in Ahrensburg erbaut hatte, zog er erst im Ruhestand im Alter von 58 Jahren. Auch seine Kinder wurden erst dort in den Jahren 1993 und 1995 geboren.

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus: Auf 30 Tafeln wird das Leben und die Forschung des Gelehrten dargestellt. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus: Auf 30 Tafeln wird das Leben und die Forschung des Gelehrten dargestellt.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Zeitlich und vor allem finanziell war dem Ahrensburger die intensive Forschungsarbeit möglich, da er im Staatsdienst und somit auch im Ruhestand über ein geregeltes Einkommen verfügte. „Trotzdem“, fragt Reher, „wie ist diese ganze Arbeit möglich? Am Mikrospkop zum Beispiel kann nur bei Tageslicht gearbeitet werden, sonst werden die Ergebnisse verfälscht.“

Ein Blick in das Arbeitszimmer des Forschers

Einen umfassenden Einblick in das, was der Naturwissenschaftler, Fotograf, Jurist und Astronom erarbeitet hat, bietet jetzt die Ausstellung auf 30 Tafeln. Sie sind im Foyer und in der Galerie des Rathauses zu sehen. Die Umstände seines Lebens und seiner Forschungsarbeit werden beschrieben und einige Ergebnisse gezeigt. Ein besonderes Ausstellungsstück steht im Treppenaufgang des Foyers Richtung Stadtbücherei. Dort haben die Ausstellungsmacher das Arbeitszimmer des Forschers mit Schreibtisch, Mikroskop und Teleskop nachgestellt.

Die Ausstellung wurde im Historischen Arbeitskreis konzipiert, das Stadtarchiv stand begleitend zur Seite. Sie führt den Betrachter in die Zeit der Universalgelehrten zurück, Flögel war vermutlich einer der letzten. Und sie zeigt einen Ruheständler in Ahrensburg, der umtriebig war und auf seine Weise sehr bedeutsam. Nicht nur für die Ahrensburger und ihre Stadt ist das eine wichtige Ausstellung. So, dass der Historische Arbeitskreis jetzt schon weiterträumt, wie dessen Vorsitzender Dirk Müller-Brangs in seinem Grußwort erkennen lässt: „Wenn der Historische Arbeitskreis es schafft, seinen Plänen für ein Museum in Ahrensburg einen Start zu ermöglichen, dann könnte der Name des Museums doch sein „Johann Heinrich Ludwig Schneekristall Flögel-Museum.“

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus. Bernd Reher und Dirk Müller-Brangs vom Historischen Arbeitskreis vor der Nachbildung des Arbeitszimmers von Flögel. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus. Bernd Reher und Dirk Müller-Brangs vom Historischen Arbeitskreis vor der Nachbildung des Arbeitszimmers von Flögel.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus. Bürgervorsteher Roland Wilde und Bürgermeister Michael Sarach mit den Machern der Ausstellung: Stadtarchivarin Dr. Angela Behrens, Bernd Reher, Jürgen Plage und Dirk Müller-Brangs vom Historischen Arbeitskreis vor der Nachbildung des Arbeitszimmers von Flögel (von links). Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus. Bürgervorsteher Roland Wilde und Bürgermeister Michael Sarach mit den Machern der Ausstellung: Stadtarchivarin Dr. Angela Behrens, Bernd Reher, Jürgen Plage und Dirk Müller-Brangs vom Historischen Arbeitskreis vor der Nachbildung des Arbeitszimmers von Flögel (von links).
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus. Achtung Ausstellungsbesucher: Im Treppenhaus des Rathauses findet sich eine Nachbildung des Arbeitszimmers von Flögel. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus. Achtung Ausstellungsbesucher: Im Treppenhaus des Rathauses findet sich eine Nachbildung des Arbeitszimmers von Flögel.
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