Kommunalwahl in Ahrensburg: Die Schlossstadt irgendwo zwischen schwarz und links-rot

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Ahrensburg (ve). Die Stadt Ahrensburg steht kommunalpolitisch irgendwo zwischen rechts und links – mit einer starken CDU und einer überraschend starken Linken.

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Das vorläufige Ergebnis im Stadtgebiet Ahrensburg. Quelle: ©Stadt Ahrensburg

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Das vorläufige Ergebnis im Stadtgebiet Ahrensburg.
Quelle: ©Stadt Ahrensburg

Obwohl die CDU mit -3 Prozent leicht Stimmen verloren hat, ist sie die Gewinnerin der Wahl. Denn sie hat ihre Wahlkreise nach Hause geholt, 13 der 16 Wahlkreise wurden gewonnen. Im Hagen hat Eckehard Knoll gegen den Spitzenkandidaten der SPD, Jochen Proske, gewonnen. Damit setzen die Schwarzen Maßstäbe: Um den Stimmenanteil der einzelnen Frakionen bei 13 vorhandenen Christdemokraten abbilden zu können, muss die Versammlung auf 40 Sitze anwachsen. So groß war sie noch nie, das zumindest liegt schon mal im Bundestrend.

Davon profitieren insbesondere die Linken, der Überraschungssieger der Wahl. Überraschend vor allem für sie selber, „damit hatten wir echt nicht gerechnet“, kommt es von allen Seiten auf der Wahlkampfparty. Sechs Prozent hätten sie sich gewünscht, ja, 6,6 Prozent sind es geworden. Aber eben dank der Überhangmandate mit drei Sitzen.

Nicole Johannsen, Erik Schrader und Ali Haydar Mercan werden in Zukunft mit im Saal sitzen. In einem Wahlkreis, dem einzigen Direktmandat von Bündnis 90/Die Grünen, der an Susanna Hansen mit 51 Prozent ging, erreichten die Linken sogar 18,6 Prozent. „Ich habe bis zuletzt zittern müssen. Zuerst sah das ganz gut für mich aus und dann war ich mir sicher, dass ich keine Chance mehr habe. Dass es am Ende dann doch gereicht hat, freut mich wahnsinnig“, so Ali Haydar Mercan.

„Wir freuen uns, aus dem Stand und relativ kurzfristig geplant, die Anzahl von drei Abgeordneten erreicht zu haben“, so Erik Schrader zum Ergebnis, „ein sozialer Wandel, insbesondere im Bereich Wohnungsbau, wird mit der CDU nicht machbar sein. Als Die Linke werden wir unsere Bündnispartner in der Stadtverordnetenversammlung themenbezogen suchen müssen.“

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Drei Sitze - das hatten sie kaum zu hoffen gewagt: Ali Haydar Mercan, Erik Schrader und Nicole Johannsen, im Bild mit Oliver Böge (von rechts), gehören der neuen Versammlung an. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Drei Sitze – das hatten sie kaum zu hoffen gewagt: Ali Haydar Mercan, Erik Schrader und Nicole Johannsen, im Bild mit Oliver Böge (von rechts), gehören der neuen Versammlung an.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Stark in Ahrensburg sind auch Bündnis 90/Die Grünen. Sie sind nun mit neun Sitzen vertreten, damit hatten sie kaum zu hoffen gewagt. Und: Sie sind mit 21,6 Prozent um 0,6 Prozent stärker als die SPD. „Wir haben klare Aussagen gemacht zu Landschaftsschutzgebieten und zu Glyphosat zum Beispiel“, erklärt Christian Schubbert-von Hobe den Erfolg. Mit der Rolle der CDU und den Linken kommen sie zurecht, sagen sie: „Wir haben unsere grünen Positionen“, betont Christian Schmidt. Und Schubbert-von Hobe ergänzt: „In der Kommunalpolitik kommt es sowieso sehr stark auf die Personen an, wir werden sehen, was die Linken so sagen.“

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Die neue Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen mit Susanne Lohmann, Claas-Christian Dähnhardt, Susanna Hansen, Christian Schmidt, Cordelia Koenig, Christian Schubber-von Hobe und Horst Marzi (von links), zweiter von rechts ist der Kreisvorsitzende Benjamin Stukenberg. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Die neue Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen mit Susanne Lohmann, Claas-Christian Dähnhardt, Susanna Hansen, Christian Schmidt, Cordelia Koenig, Christian Schubber-von Hobe und Horst Marzi (von links), zweiter von rechts ist der Kreisvorsitzende Benjamin Stukenberg.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Sie haben damit die SPD überholt, die nun einen Sitz weniger hat, als die Grünen. Spitzenkandidat Jochen Proske: „Die SPD Ahrensburg ist der Verlierer der Wahl, ob uns das gefällt oder nicht.“ Auch das Argument, dass die Verluste in Ahrensburg den Verlusten der SPD landesweit entsprechen, könne die Enttäuschung nicht mindern. Proske: „Ich persönlich habe nicht mit diesem Ergebnis gerechnet, denn wir haben als SPD Ahrensburg die aus meiner Sicht besten Kandidatinnen und Kandidaten aufgestellt und die besten Lösungsvorschläge für die Herausforderungen, vor denen die Stadt steht, präsentiert. Mein persönliches Abschneiden in der Siedlung am Hagen ist für mich enttäuschend. Der Hagen liegt nach wie vor etwas außerhalb des Blickfelds der Stadt, dabei ist er ein ganz besonderer Stadtteil mit vielen Menschen, die sich in Vereinen, in der Nachbarschaft und in der Bürgergemeinschaft füreinander engagieren.“

Fünf der voraussichtlich acht SPD-Stadtverordneten werden das erste Mal dabei sein. Ihre Aufgabe werde es sein, so Proske, die Vorschläge der SPD in die politische Diskussion einzubringen: „Wir werden konkrete Anträge für mehr geförderten und bezahlbaren Wohnraum stellen, wir werden konkrete Anträge für mehr Krippen- und Kitaplätze stellen.“

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Zwei Direktmandate, Silke von Stockum (zweite von links) hat aus dem Stand eines gewonnen. Doch insgesamt ist die SPD mit Markus Kubczigk, der Ortsvorsitzende und Spitzenkandidat Jochen Proske und Bela Randschau (von links) nicht zufrieden. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Zwei Direktmandate, Silke von Stockum (zweite von links) hat aus dem Stand eines gewonnen. Doch insgesamt ist die SPD mit Markus Kubczigk, der Ortsvorsitzende und Spitzenkandidat Jochen Proske und Bela Randschau (von links) nicht zufrieden.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ein bisschen Wunden lecken ist auch bei der WAB angesagt, aber nur gefühlt. Die Fraktionsstärke von vier Sitzen bleibt erhalten, konnte aber auch nicht ausgeweitet werden. Gegenüber der CDU mit -3,0 Prozent und der SPD mit -6,8 Prozent ist die WAB mit Verlusten in Höhe von -1,3 Prozent noch am besten weggekommen. Peter Egan: „Damit sind wir natürlich nicht zufrieden. Aber wir haben absolut gesehen mehr Stimmen bekommen als in 2013. Ein wesentlicher Faktor für alle Parteien war der Erfolg von Die Linke, die erstmals angetreten sind. Dieser Erfolg wird auch der WAB Stimmen gekostet haben.“ Positiv bewerte die Wählergemeinschaft die auf 55,5 Prozent gestiegene Wahlbeteiligung, in 2013 lag sie bei 43,4 Prozent.

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Zufrieden, aber nicht begeistert: Die Wählergemeinschaft Ahrensburg WAB. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Zufrieden, aber nicht begeistert: Die Wählergemeinschaft Ahrensburg WAB.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die FDP strahlt – mit ein bisschen Stirnrunzeln. Denn auch sie hat ein Mandat mehr und ein Stimmengewinn von 2,1 Prozent, liegt jetzt bei 8,5 Prozent der Stimmen und drei Sitzen. Absolut gesehen bedeutet dies damit nicht mehr Sitze, als die Linken. „Wir sind sehr zufrieden“, betont Michael Stukenberg, „es hat sich gelohnt, die Fraktion derart aufzubauen, wir wir es getan haben. Wir haben Konstanz bewiesen und das hat wohl einen guten Eindruck hinterlassen bei den Wählerinnen und Wählern.“ Die neue Stadtverordnetenversammlung werde es sich nicht leicht machen können: „Es wird schwieriger werden, Mehrheiten zu finden“, glaubt Stukenberg, denn: „Es kommt in der Stadtverordnetenversammlung sehr auf die Personen an und es gibt häufig wechselnde Mehrheiten.“

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Sie sind zufrieden mit einem Sitz mehr: Michael Stukenberg, der Ortsvorsitzende Martin Fuhse, Sibylle von Rauchhaupt, Olaf Falke und Wolfgang Schäfer (von links). Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Sie sind zufrieden mit einem Sitz mehr: Michael Stukenberg, der Ortsvorsitzende Martin Fuhse, Sibylle von Rauchhaupt, Olaf Falke und Wolfgang Schäfer (von links).
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Die CDU fühlt sich auch mit drei Prozent weniger Stimmen als Wahlsieger. Spitzenkandidat Detlev Levenhagen: „Wir sind die stärkste Fraktion, das ist in unserem Sinne und wir sind zufrieden.“ Über den Wahlerfolg der Linken ist er überrascht: „Ich hätte gedacht, dass sie es schaffen, in die Stadtverordnetenversammlung gewählt zu werden, aber nicht, dass sie gleich drei Sitze bekommen.“ Obwohl – eigentlich ist es ja die Schuld der CDU und ihrer Direktmandate …

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Die CDU Ahrensburg mit ihrem Spitzenkandidaten Detlev Levenhagen (links) kann bei 13 Direktmandaten den leichten Stimmenverlust gut verkraften. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Kommunalwahl 2018 in Ahrensburg. Die CDU Ahrensburg mit ihrem Spitzenkandidaten Detlev Levenhagen (links) kann bei 13 Direktmandaten den leichten Stimmenverlust gut verkraften.
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Für die Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung bleibt Levenhagen optimistisch mit Blick auf eine absolute Mehrheit mit 22 von 40 Sitzen von CDU und Grünen: „Wir konnten immer gut mit den Grünen zusammen arbeiten.“ Das kann in Zukunft auch familiäre Gründe haben, denn Tochter Nadine Levenhagen ist als Grünen-Politikerin ebenfalls in die Versammlung gewählt worden.

Alle Parteien und die Wählergemeinschaft freuen sich über die vergleichsweise hohe Wählerbeteiligung. Und gehen nun – nach Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlkampf – erst mal in Wahlkampfpause und hoffentlich konstruktive politische Arbeit.

 

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4 Kommentare

  1. Prof. Dr. Wilh. Hummeltenberg on

    Zum Vergleich berichte ich ergänzend die Kreiswahlergebnisse aus Ahrensburg:

    Bei der Wahl zum Kreistag setzten sich die 3 Ahrensburger Wahlkreise auf Kreisebene wie folgt aus den Gemeindewahlbezirken (Gemeinde-Wb) von Ahrensburg zusammen:

    Wahlkreis 12 Ahrensburg I (Nord-Ost, Gemeinde-Wb 5, 6, 14-16)
    Wahlkreis 13 Ahrensburg II (West, Gemeinde-Wb 7, 10-13)
    Wahlkreis 14 Ahrensburg III (Süd, Gemeinde-Wb 1-3a, 4, 8, 9)

    Der Gemeinde-Wahlbezirk 3b (Feuerwehrgerätehaus Ahrensfelde) ist dem Kreiswahlkreis 15 Großhansdorf zugeordnet.

    Die Parteien erhielten auf Kreisebene in den Wahlkreisen 12 – 14 insgesamt folgende Stimmanteile (Stimmanteile auf Gemeindeebene ohne Gemeinde-Wb 3b in Klammern):

    CDU 31,9% (31,3%), SPD 20,6% (21,1%), GRÜNE 24,3% (21,5%), FDP 8,6% (8,4%), AfD 6,2% ( – ), DIE LINKE 6,5% (6,9%).

    Die Wählergemeinschaft WAB ist auf Kreisebene nicht angetreten. Die restlichen %-Punkte verteilen sich auf die übrigen Parteien FREIE WÄHLER, DKP, Forum 21 und UWA.

  2. Horst Hausmann on

    Na bitte, geht doch! Und somit ist die per Parteien-Proporz begründete Tangenten-Blockade in Ahrensburg auch weiterhin bestens gewährleistet.
    Alles wie immer durch die Innenstadt. Letzte Woche aus Richtung Hamburg eine Stunde ab Eulenkrug bis Stadtmitte, keine Hemmnisse, nur Blechwalze.
    Vor ca. 2 Wochen 3/4 Stunde ab fast Ende Delingsdorf bis AOK Kreuzung (!) … ebenfalls kein Unfall oder sonstige Behinderung zu sehen. Und so wird es nun noch jahrelang so weitergehen.

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