Die Moorwanderwegbrücke: Jetzt wird sie touristisch – oder unbezahlbar

1
image_pdfimage_print

Ahrensburg (ve). Soll man nun lachen oder weinen über die Neuentwicklung bezüglich der Moorwanderwegbrücke? Am liebsten nur wundern …

Touristische Aufwertung der Moorwanderwegbrücke: Konzept des Büros Natur Erleben aus Molfsee. Ausschnitt aus der Studie "Intensivierung des „Erlebnisses Moorwanderweg“ im Ahrensburger Tunneltal" von Dipl. Biol. Andreas Schmidt und Grafik Designerin Margit Becker. Grafik:©Natur Erleben, Molfsee

Touristische Aufwertung der Moorwanderwegbrücke: Konzept des Büros Natur Erleben aus Molfsee. Ausschnitt aus der Studie „Intensivierung des
„Erlebnisses Moorwanderweg“
im Ahrensburger Tunneltal“ von Dipl. Biol. Andreas Schmidt und Grafik Designerin Margit Becker.
Grafik:©Natur Erleben, Molfsee

Die Moorwanderwegbrücke muss und soll neu gebaut werden, da sie morsch ist und den Sicherheitsbestimmungen nicht mehr genügt. Etwas mehr als 900.000 Euro soll das kosten, einen Vorschlag mit einer Konstruktion gibt es bereits. Der könnte es nach Vorstellungen der Politiker auch werden, doch sie spekulieren dafür mit Fördermitteln in Höhe von 50 Prozent.

Da allerdings liegt, so wurde es jetzt im Umweltausschuss deutlich, der Hase im Pfeffer. Denn bisher waren die Mitglieder des Ausschusses und auch die Verwaltung davon ausgegangen, dass die Fördermittel für den Neubau der Brücke einfach beantragt werden können. Können sie aber nicht einfach – da müsse noch ein bisschen mehr kommen, antwortete der Fördergeber.

Moorwanderwegbrücke: Förderfähig nur mit touristischem Infotainment

Annette Kirchgeorg von der Verwaltung erläutert: „Fördermittel für derartige Projekte im Bereich des Naturschutzes gibt es derzeit nur aus der Förderung für Tourismus. Und dafür musste ich zahlreiche weitere Unterlagen einreichen.“ Der Fördergeber habe dies als Rückmeldung auf ihren Antrag vom vergangenen Herbst im Januar eingefordert.

Annette Kirchgeorg musste also dem Fördergeber umfangreich erläutern, warum die Stadt Ahrensburg eine für den Tourismus interessante Stadt ist, was die entsprechenden Unternehmen der Stadt Ahrensburg, sprich die Dehoga, von dem Projekt halte und in welcher Form die Moorwanderwegbrücke touristisch attraktiv sei.

Gut. Kann man fragen, muss man aber nicht – aber eben für eine halbe Million Euro dann offenbar doch. Also wurde flugs ein Konzept erarbeitet, wie die Moorwanderwegbrücke touristisch attraktiv werden könnte. Offenbar ist sie das schlicht als eine der längsten Holzbrücken ohne Gründung über ein Moor nicht ausreichend.

Touristische Aufwertung der Moorwanderwegbrücke: Konzept des Büros Natur Erleben aus Molfsee. Ausschnitt aus der Studie "Intensivierung des „Erlebnisses Moorwanderweg“ im Ahrensburger Tunneltal" von Dipl. Biol. Andreas Schmidt und Grafik Designerin Margit Becker. Grafik:©Natur Erleben, Molfsee

Touristische Aufwertung der Moorwanderwegbrücke: Konzept des Büros Natur Erleben aus Molfsee. Ausschnitt aus der Studie „Intensivierung des
„Erlebnisses Moorwanderweg“
im Ahrensburger Tunneltal“ von Dipl. Biol. Andreas Schmidt und Grafik Designerin Margit Becker.
Grafik:©Natur Erleben, Molfsee

Idee von der Verwaltung auf Vorschlag des Büros „NaturErleben“: Aufsteller am Brückeneingang, Fernrohre und Infotafeln erläutern den Nutzern der Brücke und vor allem den Touristen die Wertigkeit dieses Holzweges. Und locken dann zahlreiche Besucher von Nah und Fern.

Diese Aufsteller und Infotafeln erhalten Audiosysteme, so dass die Informationen auch gehört werden könnten. Um die Aufsteller stromunabhängig zu machen, erhalten diese einen Generator mit Kurbel, mit dem der Strom für die Benutzung erzeugt werden kann. Gesamtkosten für den touristischen Upgrade der Moorwanderwegbrücke: Knapp 36.000 Euro.

Umweltausschuss bittet um eine kleinere Lösung

Im Umweltausschuss sorgten diese neuen Erkenntnisse für reichlich Unmut. Marleen Möller von der SPD fürchtete, das mit den Aufstellern eine Art „Disney-Land“ im Moor entstünde und kritisierte massiv, dass die Notwendigkeit dieser touristischen Gestaltung erst so spät im Verlaufe der Planungen bekannt geworden sei.

Auch die FDP ist nicht wirklich begeistert und schreibt in einem Antrag: „Die Moorbrücke führt durch sehr sensible Natur, die für sich selbst touristisch wirkt. Um dieses Bild nicht durch disney-ähnliche Gestaltungen zu beeinträchtigen, sind alle ergänzenden oder erläuternden Objekte so dezent, wie irgend möglich auszulegen. Insbesondere erscheint uns ein Audioguide in einer geschützten Natur als kontraproduktiv, weil er die vorhandenen Tiere stört und den Touristen die Möglichkeit nimmt die sonst gut hörbaren vielfältigen Vogelstimmen zu hören.“

Die FDP beantragte daher, dass das Informationsangebot so dezent wie möglich auszuführen sei, damit der Charakter des geschützten Gebietes so wenig wie möglich beeinträchtigt werde. Diesem Antrag stimmten alle Mitglieder des Ausschusses zu. Die entsprechende Vorlage der Verwaltung wurde schließlich mit sieben Ja-Stimmen angenommen.

Wie genau die touristische Attraktionen aussehen werden, soll somit erneut im Umweltausschuss beschlossen werden.

Damit ist, so der Gott der Wanderwegbrücken es will, der Bau der neuen Brücke noch für diesen Winter planbar. Laut Verwaltung könnte die Ausschreibung bis zum 5. Juni 2018 und die Vergabe ist zum 5. Juli 2018 erfolgen. Baubeginn könnte dann der 15. August 2018. Mit einer Bauzeit über den Winter wäre die neue Moorwanderwegbrücke Ende Februar 2019 fertig.

Teilen.

1 Kommentar

  1. Thomas J. aus A. on

    Ähm – Ausschreibung bis zum 5. Juni 2018 und die Vergabe ist zum 5. Juli 2018 ? Moment mal – so wie ich den Artikel verstehe ist bis jetzt noch lange nicht klar, ob die knappe halbe Million an Fördergeldern überhaupt kommt. Denn von einem Konzept zur Ausgestaltung der notwendigen touristischen Aufwertung der Brücke scheint man noch weit entfernt zu sein, und Ahrensburg gehört ja eher nicht zu den Städten, in denen Entscheidungen schnell getroffen werden.

    Oder hat dem Fördergeber allein die Idee zur Aufwertung der Brücke schon gereicht, um die Mittel zu bewilligen ?

    Oder wird die Brücke auf jeden Fall gebaut – mit Fördergeldern oder notfalls auch ohne ?

Kommentieren