Forscher Flögel und die Schneekristalle: Autor Titus Müller liest aus „Schneekristalle“

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Ahrensburg (ve/pm). Mit der Ausstellung zu Johann Heinrich Ludwig Flögel wird mitten im Sommer der Winter aktuell – denn es geht um Schneekristalle.

Der Autor Titus Müller stellt im Rahmen der Ausstellung über Johann Heinrich Ludwig Flögel sein Buch "Der Schneekristallforscher" vor. Foto:pm

Der Autor Titus Müller stellt im Rahmen der Ausstellung über Johann Heinrich Ludwig Flögel sein Buch „Der Schneekristallforscher“ vor.
Foto:pm

Der Historische Arbeitskreis Ahrensburg richtet anlässlich des 100. Todestages von Flögel (1834 bis 1918) vom 4. Mai bis 27. Juni 2018 eine Ausstellung mit dem Titel „Johann Heinrich Ludwig Flögel – Universalgelehrter zwischen Mikroskop und Fernrohr“ im Rathaus Ahrensburg aus.

Flögel wohnte die letzten 28 Jahre seines Lebens in Ahrensburg. Während er in wissenschaftlichen Zeitschriften unter anderem über seine unter dem Mikroskop gemachten Fotos von Insektengehirnen und Kieselalgen berichtete, hat er als erster Forscher weltweit 1879 in Bad Bramstedt einen Schneekristall unter dem Mikroskop fotografiert, aber darüber nichts veröffentlicht.

Im Rahmen dieser Ausstellung bietet der Historische Arbeitskreis zusammen mit der Stadtbücherei Ahrensburg zwei Lesungen an. Die erste ist am Donnerstag, 31. Mai 2018, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei.

Titus Müller: „Der Schneekristallforscher“ – Ein Buch über Wilson Bentley

Und da könnte es jetzt ein bisschen verwirrend für Sie, liebe Leserinnen und Leser, werden. Denn in dem Buch „Der Schneekristallforscher“ schreibt der Autor und Historiker Titus Müller über den – bisher vermeintlich ersten – Fotografen von Schneekristallen, den Amerikaner Wilson Bentley. Als eine Art kleine historische Erzählung basierend auf Fakten zeigt er die Geschichte der – wohl – zweiten Schneefotos.

Wilson Bentley (1856 bis 1931) hat 5.000 Fotos von Schneekristallen und Schneeflocken gemacht und galt bisher als der erste, dem diese Aufnahmen gelungen sind. National Geographic druckte sie ab, Universitäten auf der ganzen Welt kauften Abzüge davon und verwendeten sie in den Vorlesungen. Nur in Jericho, Vermont, seinem Heimatdorf, hielten ihn die Leute weiterhin für verrückt, sein Vater und sein Bruder sahen das „Schneeflockensammeln“ als reine Zeitverschwendung, und als Wilson zu einem Lichtbildvortrag einlud (er war damals längst weltbekannt), erschienen gerade mal sechs Leute.

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus: Im Treppenhaus des Rathauses findet sich diese Nachbildung des Arbeitszimmers. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus: Im Treppenhaus des Rathauses findet sich diese Nachbildung des Arbeitszimmers.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Schneekristalle: Die Faszination über das Winzige und das Vergängliche

Die Wissenschaftsgeschichte muss mit der Entdeckung der Fotos von Flögel umgeschrieben werden – nicht aber das Buch von Müller. Der Autor schildert die Faszination Bentleys mit warmen und emotionalen Worten und umrankt sie mit einer Liebesgeschichte. Müller macht gerade das, was Bentleys etwas älterem Zeitgenossen irgendwie fehlte, zum Mittelpunkt seines Buches: Die emotionale Faszination für das, was zwischen Himmel und Erde existiert. Bentley soll einmal gesagt haben: „Jedes Kristall war ein Meisterwerk, und kein Gestaltungsentwurf wurde je wiederholt. Wenn eine Schneeflocke schmolz, war das Kunstwerk für immer verloren. So viel Schönheit war fort, ohne irgendeine Aufzeichnung darüber zu hinterlassen.“

Titus Müller setzt dieser wissenschaftlichen Neugierde mit seiner Erzählung ein künstlerisches Denkmal, verbindet sie mit einer (in Teilen belegten) Liebesgeschichte des Forschers zu seiner Mina und beginnt selber, neu auf die Dinge zu schauen: „Ich mag kleine Tiere und ich staune gern“, sagte er einmal in einem Interview, „aber in der Hektik des Alltags verliere ich oft den Blick für die Wunder, die es zu bestaunen gibt. Wilson Bentleys Geschichte hat mir geholfen, sie wieder neu zu sehen. Immer wenn es schneit, werde ich an ihn denken und an seinen wohltuenden Blick auf die Welt.“

Auf Seiten des Historischen Arbeitskreises hat sich Gerhard Becker um die Organisation dieser Lesung bemüht. Becker: „Müller beschreibt mit warmen Worten, was es bedeutet, die kleinen Dinge zu entdecken. Bentley war da offenbar viel emotionaler, als unser Flögel.“

Lesung am 31. Mail 2018 in der Stadtbücherei Ahrensburg

Bei der Autorenlesung handelt es sich um eine Veranstaltung in Zusammenarbeit zwischen dem Historischen Arbeitskreis Ahrensburg und der Stadtbücherei Ahrensburg. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich, hilft den Veranstaltern aber bei der Organisation. Anmeldungen sind möglich bei der Stadtbücherei unter der Rufnummer 04102 / 77 -171 oder unter stadtbuecherei@ahrensburg.de. Spenden dienen der Finanzierung der Lesung und der Arbeit des Historischen Arbeitskreises.

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus. In der Ausstellung ist auch diese Modell einer Schneeflocke zu sehen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ausstellung über den Gelehrten und Ruhestands-Ahrensburger Johann Heinrich Ludwig Flögel im Ahrensburger Rathaus. In der Ausstellung ist auch diese Modell einer Schneeflocke zu sehen.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

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