Sozialausschuss: Eltern verzweifelt und unwirsch wegen fehlender Hort-Plätze

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Ahrensburg (ve). Es war einmal mehr eine harte Debatte im gemeinsam tagenden Sozial- und Bildungsausschuss. Grund war wieder die Frage nach dem Angebot an Hort-Plätzen.

Die gemeinsame Sitzung des Bildungs- und des Sozialausschusses im Mai 2018. Fiti:ahrensburg24.de

Die gemeinsame Sitzung des Bildungs- und des Sozialausschusses im Mai 2018.
Fiti:ahrensburg24.de

Zahlreiche Eltern saßen im Ausschuss und verlangten in der Einwohnerfragestunde Aufklärung über das Angebot von Betreuungsplätzen. Hintergrund sind die Absagen, die in diesen Tagen schriftlich den Eltern zugegangen sind. Der Träger der Horte an den Ahrensburger Schulen, die Arbeiterwohlfahrt (AWO), hat in diesen Schreiben die Eltern davon unterrichtet, dass ihre Kinder keinen Platz in einem der Horte bekommen können.

Hort-Plätze: Die Situation an der Grundschule am Aalfang

Die Zahlen dazu wurden von Cornelia Beckmann von der Verwaltung benannt. In drei Horten mussten Absagen erteilt werden. Die schwierigste Situation besteht an der Grundschule am Aalfang. Dort mussten 38 Absagen erteilt werden, durch die Erweiterung der Anzahl der Hortgruppen sind derzeit außerdem sieben Erzieherstellen nicht besetzt. Beckmann: „Die Situation am Aalfang macht mir große Sorgen. Denn für die Stellen dort gibt es auch keine Bewerbungen.“

Hort-Plätze: Die Situation an der Grundschule am Schloss

Etwas weniger Absagen erteilte die Grundschule am Schloss, dort können vermutlich 33 Kinder nicht aufgenommen werden. Allerdings finden dort derzeit noch Bewerbungsgespräche statt, so das vermutlich noch weitere Erzieherstellen besetzt werden könnten, so dass vermutlich einige der Absagen wieder zurück genommen werden können.

Hort-Plätze: Die Situation an der Grundschule am Hagen und Reesenbüttel

Noch besser ist die Situation in der Grundschule am Hagen. Dort mussten zwar 18 Absagen erteilt werden. Aber auf der Sitzung der beiden Ausschüsse wurde nur wenig später eine weitere Hortgruppe an der Schule zugelassen, so dass diese Kinder vermutlich doch im Hort betreut werden können.

An der Grundschule am Reesenbüttel mussten keine Absagen erteilt werden. 16 Kinder stehen dort auf einer Warteliste, doch aufgrund von Bewerbungsgesprächen ist die Verwaltung und die AWO zuversichtlich, eine weitere Gruppe anbieten zu können.

Es werden noch weitere Plätze entstehen

Für die Kinder und Eltern, die jetzt eine Absage bekommen haben, ist auch noch nicht das letzte Wort gesprochen. So werden Kinder, die derzeit den Hort besuchen, erst zum 31. Mai eines Jahres für das folgende Schuljahr abgemeldet. Daher weiß der Träger derzeit noch nicht genau, ob noch freie Plätze entstehen. Und oft ergäben sich bis zum Beginn des Schuljahres noch andere Verschiebungen, so Beckmann, die ein Nachrücken von Kindern ermöglichen.

Eltern fragen: „Was tut die Stadt für die Familien?“

Doch ein Sorgenkind bleibt die Hortbetreuung und ein existenzielles für die Eltern. Sie standen im Ausschuss mit der großen Sorge, ihre Berufstätigkeit weiter ausüben zu können. Für so manchen ist das ohne Hortbetreuung nicht möglich. Diese Sorge wandelte sich in Wut und Angriffslust: „Wenn ich so arbeiten würde, wie die Verantwortlichen hier“, kam es von einer Mutter, „hätte ich meinen Job schon längst verloren!“ Eine andere Mutter: „Ich möchte mich von der Stadt nicht in die Knie zwingen lassen!“ „Sagen Sie doch bitte, was die Stadt dafür tut, das die Kinder betreut werden? Sie müssen sich doch längst auf diese Zahlen vorbereitet habe?“ hieß es außerdem, oder „Kann die Stadt nicht mal ein bisschen kreativ werden? Sie denken immer nur in Ihren Strukturen!“. Ein Vater betonte: „In Hamburg und in Grohansdorf funktioniert es viel besser. Sie müssen doch auch den Wettbewerb mit den anderen Städten aufnehmen! Andere Städte sind bei der Frage der Kinderbetreuung viel erfolgreicher.“ Oder: „Strengen Sie sich ein bisschen mehr an, was Sie tun, reicht nicht!“ Und schließlich: „Ich kenne das Problem seit zehn Jahren, was hat sich geändert in den vergangenen zehn Jahren?“

Die Eltern forderten nicht nur, dass eine sofortige Lösung für das Problem gefunden werden, sondern sie forderten auch Auskunft darüber, warum nicht schon früher etwas getan wurde. So wurde immer wieder die Frage laut, ob man zu spät mit der Anwerbung von Personal begonnen habe.

Nicht alle Aussagen der Eltern waren korrekt

Cornelia Beckmann von der Verwaltung und Ulrike Reichle, Leitung des Hortes am Schloss, versuchten zu erklären. Zum einen habe die Stadt in den vergangenen Jahren mehr Hortplätze geschaffen, als eigentlich die Vorgabe ist. Laut Vorgabe der Stadt müssen für 50 Prozent der Kinder Hortplätze errichtet werden, Beckmann: „Wir liegen darüber und die Zahl der Hortplätze steigt ständig.“

Allerdings können nicht alle diese Hortplätze auch tatsächlich angeboten werden, da das Personal für die Betreuung fehlt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Schulhorte müssen ausgebildete Pädagogen sein, die in Teilzeit arbeiten. Ihre Arbeitszeit liegt meist zwischen 12 Uhr bis zum späten Nachmittag. Doch Erzieherinnen und Erzieher werden derzeit überall gesucht, auch in Kindertagesstätten und ähnlichen Einrichtungen. „In Konkurrenz zu diesen Vollzeitstellen ist für eine solche Tätigkeit am Nachmittag schwer Personal zu finden“, erklärt es Ulrike Reichle.

Gesucht werde Personal hingegen nicht erst seit wenigen Monaten, sondern permanent. Reichle: „Wir können aber einzelne Stellen erst ausschreiben, wenn eine Genehmigung für diese Stellen vorliegt.“

Und kreativ sei die Kommune durchaus gewesen. So würden zahlreiche Praktikas in den Einrichtungen angeboten, Ahrensburg hat sich an dem Programm Questo beteiligt. Mit diesem Programm wollte die AWO Quereinsteiger für den Beruf des Erziehers qualifizieren, Reichle: „Es kommen jetzt auch die ersten Absolventen in die Einrichtungen.“ Allerdings musste das Programm einstellt werden, weil zu wenige Kommunen sich an der Finanzierung beteiligt haben.

Und schließlich hat die Stadt im Haushalt 2018 Kindertagesstätten Mittel zur Verfügung gestellt, mit denen die Einrichtungen Personal für zum Beispiel Verwaltungsaufgaben einstellen kann. Damit sollen die pädagogischen Fachkräfte von dieser Arbeit entlastet werden, so dass Kapazitäten für pädagogische Arbeit frei werden. Das könnte sich auch auf die Horte auswirken.

Erzieherin fühlt sich persönlich angegriffen

Auf der Sitzung fühlte sich eine Erzieherin vom Hort am Reesenbüttel zudem persönlich angegriffen. Der Hort wird voraussichtlich im Sommer 2019 geschlossen, da dort eine Offene Ganztagsschule eingerichtet wird. „Ich verstehe Ihre Sorgen, aber Sie schieben nur die Schuld in Richtung Stadt“, wandte sie sich an die Eltern, „wir tun alles für Eure Kinder, wir stellen die Qualität sicher, wir betreuen sie wenn nötig auch bis zur letzten Minute, wir arbeiten mit Ihnen zusammen – und hier geht nur das Gehacke los.“

Nicht alle Vorwürfe waren gerechtfertigt

Ein großer Streitpunkt war die Anwerbung von Personal: „Sie müssen die Arbeit einfach attraktiver machen, damit auch Leute kommen und sich bewerben. Und Sie müssen mehr ausbilden“, hatte ein Vater eine scheinbar leichte Lösung parat. Da allerdings irrt er, das betonten Beckmann und Reichle ein ums andere Mal. Die Gehälter von Erzieherinnen und Erziehern sind tariflich festgelegt, die Kommune habe keinerlei Spielraum, die Arbeitsplätze attraktiver zu machen. Besondere Regelungen wie das HVV-Ticket gebe es längst. Die Zahl der Ausbildungsplätze kann ebenfalls nicht von Kommunen oder Trägern beeinflusst werden, da die Ausbildung an Schulen erfolgt, und nicht in Einrichtungen.

All‘ dies blieb auch bei den Politikern nicht ohne Spuren, Anna Hengstler von der CDU zum Beispiel: „Vieles in diesem Bereich hängt von Gesetzen und Vorgaben ab, auf die wir keinen Einfluss haben.“ Claas-Christian Dähnhardt von Bündnis 90/Die Grünen wurde deutlicher: „Sie werfen uns hier alle etwas vor und kennen noch nicht einmal die Fakten“, sagte er mit Bezug auf die Aufforderung, die Attraktivität der Arbeit oder den Zeitpunkt der Ausschreibung zu beeinflussen. Was die Eltern auf der Sitzung einforderten, sei eine politische Debatte über die Organisation der Kinderbetreuung. Dähnhardt: „Die gehört hier aber gar nicht her, sondern dazu müssen Sie uns Politiker direkt ansprechen und den Dialog mit den Parteien suchen.“

Und dann noch: Eine neue Gruppe im Hagen

Ürigens: Bei der kurzen Debatte über die Erweiterung des Hortes am Hagen, die einstimmig beschlossen wurde, waren die Eltern schon gar nicht mehr im Saal. Ein Großteil hatte die Sitzung direkt nach der Einwohnerfragestunde verlassen. Auf diese Weise ist es allerdings schwer, eine Antwort auf die Frage zu bekommen, was die Stadt denn tue. Das ist zu erfahren, wenn man den Debatten und den Beschlüssen zuhört. Und es ist auch unfair den Politikern gegenüber – auf diesen Stühlen könnten übrigens alle Ahrensburger sitzen, das Ehrenamt ist offen für jeden – , die dann angesichts solcher Vorwürfe neue Entscheidungen treffen.

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