Theatergruppe Marstall: Einfach mal Bunbury grell überzeichnen, nur so zum Spaß

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Ahrensburg (ve). Manchmal muss es etwas mehr sein – wie bei „Bunbury“ im Marstall.

 Die Inszenierung "Bunbury" von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de


Die Inszenierung „Bunbury“ von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die Theatergruppe im Marstall hatte sich das Stück von Oscar Wilde vorgenommen. Eine Verwechslungskomödie, würde man im klassischen Sinne sagen und dem Stück damit natürlich nicht gerecht werden. Denn natürlich geht es um Schall und Rauch, um Namhaftigkeit, Geltungssucht, gesellschaftlichen Auf- und Abstieg und den schönen Schein.

Mit großer Ernsthaftigkeit hat sich das Ensemble dieses Themas angenommen und eine wohlig-richtige Entscheidung getroffen: es gnadenlos zu überzeichnen. Es einfach mal nur auf den Schein ankommen zu lassen und den Bierernst sausen lassen, einfach Spaß haben auf der Bühne und alles nicht so ernst nehmen. Ernst …

Das fing schon bei Requisite und Kostümen an. Schlicht genial ausstaffiert ist Reinhart Normann als Lady Bracknell. Sein grell-blaues Kleid und Riesen-Hut wirken, er füllt beides mit galant aufgesetzter Nonchalance und schreiend-zaghaftem Egozentrismus. Einfach süß und zum Weglaufen, diese Lady Bracknell.

 Die Inszenierung "Bunbury" von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de


Die Inszenierung „Bunbury“ von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen.
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Ebenso stimmig Miss Prism und Dr. Chasuble, gespielt von Anna Schmidtke und Ulli von Seld. Ihre Kostüme als Pastor und Gouvernante sind so gar nicht überzeichnet, sondern realistisch. So realistisch, dass es schon gar wieder komisch ist. Und ebenso stilsicher vermeiden die beiden Darsteller Überzeichnungen, also jetzt prinzipiell und sittsam, denn: Tugendhaftigkeit braucht keine Marktschreierei, pffft …

 Die Inszenierung "Bunbury" von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die Inszenierung „Bunbury“ von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Harald Günther und Antje Wilhelm tragen die Hauptrollen des Algernon Moncrieff und der Gwendolen Fairfax. Mit Würde übrigens. So lange sie nicht genötigt werden, anderen die Augen auszukratzen und so etwas kann ja schließlich mal erforderlich werden. Schließlich geht es immer um das große Ganze – also um einen selber. Günther und Wilhelm spielen das virtuos und unterhaltsam und lassen sich damit als Gegenpart der anderen Hauptrollen (siehe weiter unten) nicht an die Wand spielen. Also nicht so ganz.

 Die Inszenierung "Bunbury" von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de


Die Inszenierung „Bunbury“ von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen.
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Ulrike Jaeger hat es als die beiden Butler Lane und Merriman eigentlich einfach – sie hat kaum etwas zu sagen und über ihr Kostüm gibt es auch keine zwei Meinungen. Doch es wäre nicht Ulrike Jaeger, wenn da nicht noch mehr kommt. Eine unerlässliche Kommentierung der vollpfostigen Vorgänge und der aus Butler-Sicht geistig beschränkten Agitationen der Akteure. Wohl gemerkt im „off“, also im Hintergrund quasi als griechischer Chor. Das macht Spaß und garantiert Ulrike Jaeger eine Vollbeschäftigung für den Abend.

 Die Inszenierung "Bunbury" von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de


Die Inszenierung „Bunbury“ von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die haben nicht ganz aber fast auch Anna Brünner und Armin Diedrichsen als Cecily Cardew und John Worthing. Armin Diedrichsen möge es verzeihen, aber Anna Brünner steht da (mal wieder) über allen. Cecily circt und schmollt, rollt die Hüften, stampft, lacht und springt über die Bühne. Jede Sekunde ihres Spiels lebt von einer neuen Mimik. Eben in bewusster Überzeichnung, die Verfasserin dieses Beitrages erwähnte es anfangs. Es ist einfach etwas mehr, was Anna Brünner da schafft, zu grell, zu bunt, zu blinkernd und damit genau dort, wo die Inszenierung hinwollte. Ein großer Theater-Spaß. Diedrichsen spiegelt das mit wohl gesetzter Künstelei. Auch er streunt gekonnt über die Bühne und ist immer genau dort, wo die Inszenierung ihn braucht. Als Ruhepunkt oder Aufreger, als Treiber oder Getriebener.

 Die Inszenierung "Bunbury" von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de


Die Inszenierung „Bunbury“ von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die Marstall Theatergruppe wagt unter der Regie und Dramaturgie von Armin Diedrichsen wieder mal das Ungewöhnliche. Mainstream-tauglich ist das eher weniger. Genau deswegen ist es so wichtig, begeistert die (nicht wirklich zahlreich) erschienenen Gäste und ist lebendige Theaterkunst. Danke für einen Abend, der mehr als nur Spaß machte. Im Ernst jetzt.

 Die Inszenierung "Bunbury" von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de


Die Inszenierung „Bunbury“ von der Theatergruppe Marstall, Regie und Dramaturgie Armin Diedrichsen.
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